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Wissenswertes aus unserem Blog

Mai 2021

Erst jagen, dann Essen

Es ist doch immer dasselbe – Wir Menschen neigen gerne mal zum übertriebenen Perfektionismus und verlieren uns dabei zu sehr in unwichtigen Details. So auch beim Thema Ernährung. Neben all der Regeln und Empfehlungen über „das darfst du essen“ und „das musst du vermeiden“ möchte ich dir mal eine der grundlegendsten und biologisch tief verankertesten Verhaltensweisen erklären. Heute geht’s um den richtigen Rhythmus zwischen Aktivität und Erholung. In Steinzeitsprache reden wir vom jagen und vom essen, denn um mehr geht es im Grunde nicht.

Wir leben in einer kranken Welt

Eine Welt, die uns krank machen will. Durch Nahrungsüberfluss und Bewegungsmangel. Kühlschränke gibt es sei 100 Jahren, der erste Supermarkt wurde in den 50ern erbaut. Das Internet ist erst vor kurzem relevant geworden. Den Menschen gibt es jedoch schon seit rund 300.000 Jahren. Ergo haben wir uns innerhalb kürzester Zeit ein Umfeld geschaffen an das wir nicht adaptiert sind und in dem wir dazu neigen essentielle Ureigenschaften unseres Körpers vollkommen zu missachten! Unser natürliches Umfeld bestand mal aus dem sammeln von Beeren, dem jagen von Tieren und immer wieder aus längeren Hungerperioden. Heute sind wir so inaktiv wie nie zuvor und schwimmen gleichzeitig in Nahrung – also wir hier, in unserer westlichen Kultur. Es gibt durchaus noch Völker auf der Welt, von denen wir lernen können, wie wir vor tausenden von Jahren gelebt haben. Ohne Kühlschrank, ohne Autos und ohne YouTube.

Weißt du, dein Körper ist ziemlich schlau

Es gibt sehr geile Mechanismen die uns am laufen halten, auch wenn es mal nichts zu essen gibt. Also damals, wenn der Säbelzahntiger vor dir stand, dann musstest du schnell weg rennen können. Unabhängig davon ob oder was du gegessen hast. Für diese Situation hat dein Körper eine geniale Lösung – Stresshormone. Wenn du unter Stress gerätst wird dein Sympathikus aktiv. Dieser Teil deines Nervensystems befähigt dich dazu auf Gefahr zu reagieren, regt deinen Stoffwechsel an und befiehlt deiner Nebenniere Hormone wie Adrenalin und Cortisol freizusetzen. Du gelangst in den sogenannten „Fight or Fligth“-Modus damit du schneller laufen, besser atmen und schärfer sehen, hören, riechen kannst. In diesem Modus bist du so richtig leistungsfähig und verbrennst ordentlich körpereigenes Material, vor allem Fett- und Zuckerreserven. Alle Sinne werden auf Alarm geschaltet und sollen dein Überleben sichern. Das war in der Steinzeit lebensnotwendig.

Stress ist also grundsätzlich etwas sehr gutes und sichert dein Überleben. Doch ist es genau dieser Umstand, der uns heute vor die Füße fällt. Denn heute haben wir permanent den Säbelzahntiger im Nacken. Schlafmangel, Nährstoffmangel, Stress auf der Arbeit, Beziehungsprobleme und permanenter Reizüberfluss bringen unser System an der Rand des Machbaren. Wir haben eine Umgebung geschaffen, die uns schadet und kaum mehr etwas mit dem Umfeld zu tun hat, aus dem wir stammen. Dieser Stress in Kombination mit dem massiven Nahrungsüberangebot ist der entscheidendste Grund für Übergewicht und alle damit verbundenen Krankheiten. Nun müssen wir versuchen in dieser krank machenden Welt zu überleben.

Es ist in Ordnung, wenn du einfach mal nichts isst

Einfach mal über mehre Stunden Hunger zu haben ist sogar sehr gesund! Wenn du Körperfett verlieren willst, kommst du fast nicht daran vorbei mehr Hunger zu haben, als das du satt bist. Das Hungern muss aber in regelmäßigen Abständen unterbrochen werden, denn dein Körper und jede Zelle deines Körpers haben gewisse Bedürfnisse. Einfach nichts essen macht nicht schöner, nicht stärker und nicht gesünder. Und seine Abendmahlzeit ausfallen zu lassen, weil man nachmittags ja schon Kuchen gegessen hat ist auch eine dumme Idee und schießt irgendwie am Ziel vorbei – denn es geht nicht darum irgendeine Mahlzeit gehabt zu haben, sondern es geht um Nahrung!

Was passiert mit uns, wenn wir Hunger bekommen? Zu aller erst sinkt dein Blutzuckerspiegel, woraufhin dein Gehirn dies registriert und dir dann sagt: Los geh jagen, du musst was essen! Dabei wird eine Kaskade von Hormonen losgetreten. Cortisol steigt, Adrenalin steigt, Noradrenalin steigt – dein Körper wird darauf getrimmt zu „jagen“ und aktiv zu sein. Aus diesem Grund bist du so mies drauf, wenn du nichts gegessen hast. Du wirst „hangry“.

Dieser Zustand hat aber auch einige Vorteile. Dein Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, deine Konzentration ist gesteigert und deine Leistungsfähigkeit ist höher. Alles mit dem Hintergrund, dass du jetzt eigentlich raus in den Wald gehen solltest um etwas zu erlegen. Also ziehst du los und isst was, aber halt. Warst du auch „jagen“? Hast du deine Speicher geleert?

In der Steinzeit war der Jagdaufwand meist proportional zum Ertrag. Hast du ein großes Mammut erlegt, war das sicher ein großer Aufwand, aber damit bekamst du auch eine große Menge Nahrung. Nach dem Essen schaltet dein Körper dann in den Verdauungsmodus. Leptin und Serotonin übernehmen das Ruder und aktivieren den Parasympathikus – Du wirst träge und schläfrig. So sollte der normale Rhythmus aussehen. Dies ist, unter anderem, ein Grund, warum ich dir empfehle deine Kohlenhydrate ausschließlich abends zu verdrücken. Klingt auch irgendwie logisch oder? Aber wer macht das schon… Heutzutage greifst du zu jeder Uhrzeit in den Kühlschrank, auch ohne vorher aktiv gewesen zu sein und hier liegt das Problem: Du isst häufig mehr als du verbrauchst und verpasst die Chance, deinem Körper zu sagen, was er mit all der Nahrung anfangen soll. Ernährung macht ohne Bewegung keinen Sinn!

Bevor du also erwägst was zu essen, solltest du dich verdammt nochmal bewegen. Ein kleiner Spaziergang, ein kurzes Workout oder 20 Minuten Hausarbeit reichen schon. Es ist vollkommen egal was , aber beweg dich. Erst Speicher leeren und dem Körper durch Bewegung zeigen, wo er die aufgenommene Nahrung speichern soll und den Rest macht dein Körper. Im Grunde ist das die Idee des intermittierenden Fastens. Erst aktiv sein, dann essen. Der Homo Sapiens ist Intermittent Fasting gewohnt, denn es war mal Teil seines Alltags. Morgens raus und ab auf die Jagd und wenn man nichts erlegt hat, gab es auch mal kein Essen und wenn es was gab, musste das erst zerlegt und zubereitet werden und dann war man schon lange aktiv.

Das bedeutet allerdings nicht, dass du jetzt jeden Tag nur noch zwischen 16 und 20 Uhr essen sollst. Überleg dir einfach, wann du Nahrung brauchst, was du brauchst und wann du sie dir verdient hast und hinterfrage deine Gewohnheiten und dein Essverhalten. Und wenn du dabei Hilfe brauchst, bin ich für dich da 😉

Erst hast du Hunger, dann gehst du jagen, dann isst du, dann wirst du müde und gehst ins Bett. Perfekt!